Fünf Tipps zur besseren Ausfärbung bei SPS Korallen


 

Fragst Du Dich auch regelmäßig, wie Du die Farben Deiner SPS Korallen gezielt verbessern und verstärken kannst? Hier sind 5 Tipps zur besseren Ausfärbung bei SPS Korallen 

1) Wasserwerte regelmäßig testen und möglichst konstant halten
 
So einfach sich das auch anhören mag: Die Grundvoraussetzung für gut gefärbte Korallen sind die Wasserwerte. Calcium (420 mg/l), Karbonathärte (7-8°dKH) und Magnesium (1320 mg/l) sollten ganz unspektakulär im normalen Rahmen gehalten werden. Sie haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Färbung der Korallen, jedoch funktionieren die besten Wasserzusätze, Spurenelemente und andere Tricks nicht wenn diese drei Parameter aus dem Ruder laufen.  

Ausschlaggebend für den Charakter der SPS Farben sind jedoch die Nährstoffwerte. Hier scheiden sich die Geister: Die „alte Schule“ empfiehlt höhere Nährstoffwerte, das bedeutet ca. 20-30 mg/l Nitrat und ca. 0,1-0,5 mg/l Phosphat. Mit diesen Nährstoffwerten lassen sich tatsächlich sehr satte Farben erzielen, die Farben sind dann aber sehr dunkel und können leicht ins dunkelbraune abdriften. Durch die hohen Nährstoffwerte erhöht sich die Zooxanthellen-Dichte (also die Anzahl an Symbiosealgen die unsere Korallen mit sich rumtragen). Die Zooxanthellen sind immer braun, je höher also die Dichte ist desto mehr überlagern die braunen Algen die eigentliche Farbe der Koralle. Trotzdem kann man ein SPS Aquarium mit schönen Farben und hohen Nährstoffwerten betreiben. 

2) Niedrige Nährstoffwerte 

Die moderne Riffaquaristik setzt auf einen anderen Ansatz: Die Nährstoffwerte müssen wie auch im Meer sehr niedrig sein, praktisch an der Nachweisgrenze. Das bedeutet Ihr solltet unter 1 mg/l Nitrat und unter 0,05 mg/l Phosphat messen. Wichtig ist, dass Ihr zuverlässige Tests besitzt die Euch verlässliche Ergebnisse liefern. Hier lohnt es sich definitiv ein paar Euro mehr auszugeben. Achtet darauf, dass die Farbkarte des Tests sehr fein abgestuft ist und der Test gut ablesbar ist. Wiederholte Messungen sollten immer die gleichen Ergebnisse liefern. Ein Testergebnis das nicht reproduzierbar ist spuckt in der Regel falsche Messergebnisse aus. Durch die niedrigen Nährstoffwerte schleust die Koralle alle überflüssigen Symbiosealgen aus ihren Zellen und dadurch kommen die natürlichen Farben überhaupt erst zum Vorschein. Durch die niedrigere Zahl an Symbiosealgen haben Eure Korallen nun auch mehr Energie für Wachstum zur Verfügung.  

3) Licht

Die meisten SPS Korallen wie Acropora, Montipora, Stylophora und Pocillopora sind wahre Lichtmonster, sie benötigen unglaublich viel Licht. Das Licht hat einen sehr großen Einfluss auf die Farben aller SPS. Je nach Lichtfarbe, Intensität und Dauer ändern sich die Farben der SPS massiv. Wenn Ihr Euren Korallen nicht genügend Licht zur Verfügung stellt habt ihr keine Chance auf knallige Farben und schnelles Wachstum. 

Korallen nehmen Licht ganz anders wahr als wir Menschen. Wir können zwar problemlos die Farbe des Lichts erkennen, nicht jedoch die Intensität. Das menschliche Auge kann sich perfekt an unterschiedliche Helligkeiten anpassen. Ist in Wahrheit die Lichtintensität einer Meerwasserbeleuchtung 5x heller als die einer anderen, nehmen wir dies subjektiv lediglich als eine hellere Lampe war, können aber nicht sagen ob diese 50% oder 600% heller ist. Daher sind subjektive Einschätzungen der Beleuchtung eines Riffaquariums nicht sinnvoll. Hier sollte man auf erprobte LED, T5 oder HQI Beleuchtung setzen. Natürlich sitzen uns hier die Stromkosten im Nacken, trotzdem kann ein tropisches Riffaquarium nur dann funktionieren, wenn wir auch versuchen die tropische Sonne zu imitieren. Das muss uns ein paar Kilowattstunden wert sein. Wer auf T5 oder HQI setzt sollte die Leuchtmittel regelmäßig tauschen (T5 ca. 8 Monate, HQI ca. 12 Monate) und nicht warten bis diese den Geist aufgeben. Auch hier spielt uns unser Auge wieder einen Streich: Nach dem Röhrenwechsel sehen wir lediglich einen leichten Zuwachs der Helligkeit und des Blauanteils, die Korallen aber danken es mit einem starken Farbzuwachs innerhalb von ca. 2 Wochen!

4) Wasserzusätze und Spurenelemente

Einige Stoffe wie Spurenelemente, Aminosäuren, Vitamine, organische Verbindungen oder Futtermittel werden von unseren Korallen dringend benötigt. Man muss hierbei immer im Hinterkopf haben, dass das Verhältnis zwischen Wasservolumen und Korallenmasse im Meer ein komplett anderes ist als in unserem Heimriff. Im Meer gibt es praktisch unendlich viel Wasser. Das bedeutet, dass Stoffe die im Wasser im µg-Bereich vorhanden sind trotzdem nie ausgehen, egal wieviel die Korallen verbrauchen. Bei unseren geringen Wasservolumina sieht das anders aus. Wir müssen deshalb nachhelfen. Dazu kommt, dass in unserem kleinen Ökosystem Meerwasseraquarium nicht alle von den Korallen benötigten Stoffe im Sinne eines Kreislaufs selbst erzeugt werden können. 

Abhilfe schaffen hier entsprechende Wasserzusätze. Die meisten Hersteller unterteilen ihre Wasserzusätze in anorganische Stoffe (Spurenelemente), organische Verbindungen (Aminosäuren, Vitamine) und Futtermittel. Man sollte sich an die Dosierhinweise der Hersteller halten. Prinzipiell ist der allgemein bekannte Satz „viel hilft viel“ nicht anwendbar, jedoch aber „die Dosis macht das Gift“. Überdosierungen von anorganischen Verbindungen können zu Problemen führen. Die meisten organischen Verbindungen führen bei Überdosierungen nur selten zu Verlusten, da diese relativ leicht wieder aus dem Aquarium entfernt werden können. 

Ausgereifte Pflegesysteme bedienen sich zusätzlich kleiner Tricks um die oben angesprochene Problematik des Missverhältnisses zwischen Wasser- und Korallenvolumen zu kompensieren. So kann das Überangebot einiger Stoffe und Spurenelemente durchaus gewünscht sein und für die Korallen trotzdem eine naturnahe Umgebung schaffen. 

5) Geduld

Das hört sich so einfach an wie die oben erwähnten konstanten Calcium, Karbonathärte und Magnesiumwerte. In der Realität sieht das aber häufig anders aus. Gebt Euren Korallen Zeit! Prächtige Farben gibt es nicht über Nacht und auch nicht nach einer Woche. Wie bereits geschrieben müssen sich die Korallenzellen immer auf die äußeren Umstände erst einmal anpassen. Wenn die Korallenzelle neue Spurenelemente oder organische Verbindungen im Wasser detektiert, muss sie zunächst Ihre Proteinproduktion umstellen. Nur wenn entsprechende Enzyme, Kanalproteine etc. in den Zellen vorhanden sind können diese neuen Stoffe im Wasser auch von der Zelle aufgenommen und verwertet werden. Als Orientierung für Spurenelemente-Zugaben wird meist eine Verzögerung von 5-10 Tagen angegeben, nach dieser Zeit kann man erste Effekte feststellen. Nimmt die Farbintensität nach dieser Zeit weiter zu, so kann man auch weiter Spurenelemente zugeben. Sobald die Korallen aber anfangen einzudunkeln, sollte man die Zugabe zunächst aussetzen und wieder die Menge von vor 5-10 Tagen dosieren. Dies ist die optimale Dosiermenge. Bei organischen Verbindungen stellt sich das Ganze noch etwas komplizierter dar, da die Verzögerung je nach Stoffart stärker sein kann. 

Ein weiteres bekanntes Phänomen ist, dass Korallen beim Einsetzen ins eigene Meerwasseraquarium teilweise bis zu 6-8 Monate benötigen, bis sie mit dem Wachstum so richtig loslegen. Die Hintergründe hierfür sind nicht ausreichend geklärt, es zeigt aber wie lange Korallen benötigen um sich an Veränderungen anzupassen. Daher nochmal mein Rat: Übt Euch in Geduld und beobachtet Eure Korallen und deren Veränderungen sorgfältig. Das Great Barrier Reef wurde auch nicht in einem Tag erbaut. 

Kommentare zu diesem Thema

- Noch kein Kommentar vorhanden -

zurück zur Liste Kommentar schreiben

Back to Top